Röösli Funktionsdecken: Vom Pflichtgefühl zur Chance mit Sustainer
In unserer Reihe «Branchenblog» spricht Sarah Wirth mit Fabio Walser (Röösli Funktionsdecken) und Luca Dittli (Sustainer) über die Erfahrungen mit den Themen Nachhaltigkeit und esg2go.
Sarah Wirth: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen. Beginnen wir mit einer kurzen Einordnung: Herr Walser, mögen Sie sich bitte kurz vorstellen?
Fabio Walser: Ich bin Geschäftsführer von Röösli Funktionsdecken. Mit der Beratung, Planung und Montage von heruntergehängten Decken erschaffen wir schweizweit Wohlbefinden von oben. Meine Aufgabe ist es, das Unternehmen so zu führen, dass es gut funktioniert und zukunftsfähig bleibt. Dazu gehört heute selbstverständlich auch das Thema Nachhaltigkeit.
Sarah Wirth: Was zeichnet Ihr Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit aus? Wo liegen die Herausforderungen bei Röösli Funktionsdecken?
Fabio Walser: Wir sind ein sehr dynamisches Familienunternehmen, hinterfragen unseren Status quo ständig und reagieren lösungsorientiert auf neue Anforderungen. Diese Wurzeln und Eigenschaften widerspiegeln sich auch in den Themen der Nachhaltigkeit. Obwohl Nachhaltigkeitsziele bisher keine expliziten Treiber waren, haben wir aus innerer Überzeugung bereits viele Dinge nachhaltig umgesetzt.
Beim ersten esg2go Report zeigte sich, dass wir bereits sehr nahe am Benchmark lagen. Das war ein positives Signal: Wir hatten schon viel richtig gemacht, ohne es so zu benennen.
Die vermutlich grösste Herausforderung für uns liegt im Teilbereich Umwelt. Die Reduktion der CO2 Emissionen bis 2050 auf netto null wird eine interessante Aufgabe.

Fabio Walser – Röösli Funktionsdecken
Sarah Wirth: Was war der Auslöser für Sie, sich mit ESG-Themen intensiver zu beschäftigen?
Fabio Walser: Weil es richtig ist, sich damit zu befassen. Zudem kann man sich dem Thema heute kaum entziehen. Es ist medial präsent und wird im wirtschaftlichen Umfeld relevanter. Nachhaltigkeit wird bei öffentlichen Auftraggebern und Grosskunden stärker gewichtet. Hier wollen wir als Auftragnehmerin punkten. Deshalb war für uns wichtig zu wissen: Wo stehen wir überhaupt? Wir wollten eine ehrliche Sicht auf die Ausgangslage erstellen, um bewusst die nächsten Schritte zu planen.
Sarah Wirth: Wie sind Sie mit Herrn Dittli in Kontakt gekommen?
Fabio Walser: Ja, das kann Luca beantworten (schmunzelt).
Luca Dittli: Unsere Verbindung entstand auf zwei Ebenen. Einerseits kannten wir uns bereits aus dem Militär. Fabio war dort mein Kadi. Andererseits hat das Timing einfach gepasst: Bei Röösli bestand bereits der Wunsch, das Thema Nachhaltigkeit anzugehen und eine erste Einschätzung zu bekommen. So kamen die Fäden zusammen.
Fabio Walser: Genau, das beschreibt es gut.
Sarah Wirth: Ging Ihre Zusammenarbeit über das esg2go Rating hinaus?
Fabio Walser: Ich habe Vorträge von anderen Unternehmern an Anlässen von Sustainer besucht. Diese zeigten, dass Nachhaltigkeit nicht nur regulatorische Last ist, sondern Chancen bietet. Innerhalb unserer Geschäftsleitung haben wir das Thema mit Luca vertieft. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit hat sich dadurch verändert: weg von Risiken hin zu echten Chancen.
Luca hat zudem eine wichtige Übersetzerrolle zwischen Fachsprache, Regulatorik und unserer betrieblichen Realität übernommen.
Sarah Wirth: Herr Dittli, wo sehen Sie Ihr Kernbusiness?
Luca Dittli: Wir verstehen uns als Übersetzer und Partner für Unternehmen. Wir machen Regulatorik und Forschung praxisnah verständlich.
Unser Ansatz für KMUs ist modular:
1. Analyse und Standortbestimmung
2. Strategieentwicklung
3. Integration ins Kerngeschäft
4. Umsetzung und Strukturaufbau
Wichtig ist: Nachhaltigkeit darf kein Nebenthema bleiben, sondern muss ins Kerngeschäft integriert werden.
Zusätzlich bauen wir Communities auf, in denen Wirtschaft, Politik und Forschung zusammenkommen. Wir sind eine Beratungsfirma, die auf marktorientierte Nachhaltigkeit für KMUs, Konzerne und Verbände spezialisiert ist. Wir unterstützen Organisationen unkompliziert dabei, sich marktbezogen zu transformieren.
Sarah Wirth: Wie gehen Sie mit unterschiedlichen Branchen um?
Luca Dittli: Nachhaltigkeit ist letztlich Veränderungsarbeit und Veränderung funktioniert überall über Menschen. Entscheidend ist das Verständnis für das «Warum». Branchenspezifisches Know-how ist wichtig, aber dafür arbeiten wir mit Partnern. Unser Fokus liegt auf Struktur, Prozessen und Umsetzungsfähigkeit. Wir decken deshalb alle Branchen ab.

Luca Dittli – Sustainer
Sarah Wirth: Wie fliesst esg2go in Ihre Beratungspraxis ein?
Luca Dittli: Als niederschwelliger Einstieg ist das Rating gut geeignet. Es liefert eine sinnvolle Temperaturmessung, vorausgesetzt, die Datengrundlage ist solide. Aber, nur ein Rating bewegt kein Unternehmen. Es ist die Basis für weiterführende Strategiearbeit.
Sarah Wirth: Herr Walser, wie funktionierte das esg2go-Rating für Sie?
Fabio Walser: Die Spider-Grafiken waren sehr hilfreich. Sie zeigten unsere Stärken und Schwächen klar auf. Stark war beispielsweise unser Score im Bereich «Gesellschaft». Unsere Unternehmenskultur und Werte zahlen klar darauf ein. Ein Aha-Effekt war, dass wir in der Praxis vieles richtig machen aber Punkte verlieren, weil wir gewisse Aspekte noch nicht explizit niedergeschrieben haben. So zeigte sich beispielsweise im Governance-Bereich der Nachholbedarf bei formellen Richtlinien oder Zieldefinitionen im Kontext der Nachhaltigkeit. Das Rating hilft uns nun gezielte Massnahmen zu definieren und diese zu priorisieren. Ein Schwerpunkt dabei ist die Reduktion von CO₂-Emissionen. Da wir keine Produktion haben, liegt unser Hebel vor allem bei Transporten, Anlieferungen und der Mobilität unserer Mitarbeitenden
Sarah Wirth: Sind Sie an einem Punkt angelangt, an welchem esg2go bei Ihnen auch zur Zielsetzung innerhalb des Unternehmens verwendet wird?
Fabio Walser: ESG-Thematiken funktionierten ähnlich wie ein Managementsystem. Man setzt sich strukturiert mit Themen auseinander, die sonst eher nebenbei laufen würden.
Wir sehen nun klarer:
- Wo sind wir stark?
- Wo gibt es Schwächen?
- Wo liegen die «Low Hanging Fruits»?
Daraus entstehen konkrete Massnahmen, die wir auf Geschäftsleitungsebene verabschieden. Entscheidend ist, wir machen Nachhaltigkeit nicht fürs Papier, sondern weil wir den Sinn erkennen.
Sarah Wirth: Sie wechselten dadurch von einer reaktiven zu einer proaktiven Haltung?
Fabio Walser: Vielleicht nicht komplett reaktiv zu proaktiv, sondern eher von einer unbewussten zu einer bewussten. Wir schenken dem Thema heute deutlich mehr Aufmerksamkeit. Früher haben wir vieles richtig gemacht, ohne es unter „ESG“ einzuordnen. Heute verstehen wir den Kontext besser. In der Führung ist die Akzeptanz gestiegen. Skepsis wurde durch konkrete Erfahrungen ersetzt. Wir haben dabei definitiv einen Weg zurückgelegt.
Sarah Wirth: Vielen Dank, Fabio Walser und Luca Dittli, für das Interview und den ehrlichen Austausch.
